Das halbe Haus

 

Manchmal sind es die Zufallsfunde am Wegesrand, die am meisten beeindrucken. Unterwegs in der Region Nouvelle-Aquitaine ließen wir uns treiben – wer den Kopf frei bekommen will, sollte ihn schließlich mit viel Natur durchlüften. Eine weite Aussicht hilft oft, die nötige Erholung zu finden, doch unser Blick blieb an einem Gebäude hängen, das sich bereits im Stadium des Einsturzes befindet.

Die Architektur gleicht einer gefährlichen Falle: Die Dachkonstruktion ist instabil, und die Ziegel hängen bedrohlich über dem freiliegenden, morschen Gebälk. Doch genau dieser Verfall gewährt einen bizarren Einblick. Da Teile der Fassade fehlen, blickt man wie bei einem Puppenhaus direkt in die privaten Räume.

Ein Waschbecken und die dazugehörigen Wandfliesen lassen einen Raum eindeutig als das ehemalige Badezimmer identifizieren. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, diese intimen Bereiche so schutzlos dem Wetter und den Blicken Fremder ausgesetzt zu sehen. Ein Ort, der wortwörtlich auseinanderbricht und dabei Fragmente eines einstigen Zuhauses preisgibt.