Château Bertranon
Das Château Bertranon thront seit 1727 an einem Hang der Appellation Sainte-Croix-du-Mont. Entworfen von den renommierten Architekten Jean und Etienne Laclotte, blickt das Anwesen auf fast drei Jahrhunderte Weinbau zurück, der hier erst 2017 ein abruptes Ende fand.
Die Eroberung dieses Schlosses erforderte echtes schauspielerisches Talent. Ein benachbarter Winzer bearbeitete gerade seinen Wingert und behielt uns auf seinem Traktor genau im Auge. Um keinen Verdacht zu erregen, nutzten wir das zum Verkauf stehende Maison de campagne direkt nebenan als perfekten Vorwand. Wir mimten die ungeduldigen Kaufinteressenten: Wir zeigten übertrieben auf das Haus, studierten immer wieder die Armbanduhr und spielten die Szene: „Wann kommt er denn endlich, der Makler?“
Das reichte dem Winzer wohl als Erklärung; er tuckerte schließlich weiter. Sobald die Luft rein war, war der Weg zum Château für uns frei.
Man sieht dem Bau seine Qualität an, auch wenn die Pflege der Außenanlagen seit ein paar Jahren fehlt. Der Kontrast ist extrem: Direkt nebenan wird der Weinbau aktiv weitergeführt, während dieses architektonische Erbe einfach stehen gelassen wurde. Von hier oben blickt man weit über das Tal – eine Aussicht, die die Laclotte-Brüder damals perfekt in Szene gesetzt haben, die jetzt aber nur noch uns gehörte.