Das Millionengrab

 

1995 startete das Projekt „Seniorenresidenz“ als 40-Millionen-Mark-Versprechen. Ein modernes Zuhause mit Café, Supermarkt und Arztpraxis sollte hier entstehen. Doch was nach 18 Monaten bezugsfertig sein sollte, wurde zu einem Albtraum aus Beton. Nach Bauverzögerungen und dem Rückzug der Investoren folgte 2003 die endgültige Insolvenz.

Das Gefühl vor Ort ist schwer zu beschreiben. Als wir durch die ungenutzten Räume gingen, spürten wir eine ganz andere Art von Leere. Es ist kein Ort, der langsam gealtert ist, sondern ein Skelett, das nie mit Leben gefüllt wurde. Es gibt keine alten Arbeitsspuren oder hinterlassene Möbel – nur nackten Beton und das Echo von Existenzen, die hier finanziell ruiniert wurden.

Während wir durch die Flure liefen, dachten wir an die Käufer, die bis heute Kredite für diese wertlosen Ruinen abbezahlen müssen. Der Hauptverantwortliche ist verstorben und kann nicht mehr belangt werden, doch sein Erbe aus Stillstand und Schulden steht noch immer da. Während die Welt draußen weiterzieht, bleibt dieser Betonklotz einfach stehen – eine Sackgasse aus Stahl und Stein, die wohl eher verrotten wird, als dass hier jemals jemand einzieht.