Das verfallene Herrenhaus

 

Die Wurzeln dieses Anwesens reichen weit zurück: Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Herrensitz errichtet. Der Weg dorthin war gar nicht so leicht zu finden. Zuerst entdeckten wir keinerlei Parkmöglichkeit, erst beim nochmaligen Vorbeifahren erblickten wir schließlich die Einfahrtsschneise mit einer Schranke – unser Parkplatz. Begrüßt wurden wir standesgemäß vom lautstarken Gebelle des Nachbarshundes.

In der Zeit des Sozialismus änderte sich die Bestimmung des Gebäudes grundlegend. Statt herrschaftlichem Glanz zog die Verwaltung ein, und die Räume dienten als nüchternes Büro der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (TSZ). Seit 1990 ist das Gemäuer jedoch sich selbst überlassen.

Der Besuch im Inneren war ein Erlebnis für die Sinne – wenn auch nicht immer auf angenehme Weise. In der unteren Etage schlug uns ein modriger Gestank entgegen; es fühlte sich an wie in einer feuchten Grotte. Ein krasser Gegensatz dazu bot der obere Bereich: Dort bestaunten wir diese gigantischen Portale – man könnte fast meinen, die Durchgänge wären für Riesen gemacht worden.

Heute steht die leere Hülle in einem geschützten Waldstück. Während die Natur rundherum friedlich strahlt, wirkt das Bauwerk selbst düster und unrettbar verloren – ein stiller, zerfallender Zeuge zweier völlig unterschiedlicher politischer Epochen.