Die alte Schuhfabrik

 

Die Geschichte dieses Ortes begann bereits 1891 mit dem Schuhmacher Wilhelm Servas. 1966 wurde hier eine Tochtergesellschaft der Servas Schuhfabriken gegründet, doch der globale Wandel forderte seinen Tribut: Die Produktion wurde erst nach Portugal, dann nach Asien verlagert, bis die Herstellung 1992 endgültig eingestellt wurde.

Wir waren an diesem Tag „auf Zack“ und sind schnell auf das Areal gehuscht. Es war heikel, da die Gefahr, von Anwohnern entdeckt zu werden, allgegenwärtig war – besonders beim Passieren der großen Fensterfronten war höchste Vorsicht geboten. Im Inneren erwarteten uns echte Highlights: Die riesigen Profilbuchstaben des Firmenschriftzugs waren der Knaller, und die imposanten Waschbecken in den Waschräumen zeugten von der einstigen Größe des Betriebs. Überall lagen noch unzählige alte Schuhkartons herum.

Der Abgang war jedoch das Beste: Beim Verlassen entdeckte mein Freund einen Nachbarn, der uns direkt aus seinem Fenster beobachtete. Wer weiß, wie lange er uns schon im Blick hatte? Trotz des mulmigen Gefühls blieb mein Freund gelassen und grüßte mit einem herzlichen: „Gude!“ Die Geste wurde mit einem Kopfnicken abgesegnet – ein Beweis, was Höflichkeit selbst in brenzligen Situationen bewirken kann. :-)