Haus Vauxhall
6:15 Uhr, kollektiver Gähn-Modus im Auto. Wir sind unterwegs zu einem besonderen Lost Place, den wir vor Tagen ausgekundschaftet haben. Die Pässe sind dabei, hoffentlich wird es ein Erfolg! Eigentlich sind wir mal wieder viel zu spät dran – Ankunft gegen acht Uhr. Sind wir eigentlich „Gourmet-Urbexer“, weil wir es nie pünktlich schaffen? Wer weiß das schon...
Hinter unserem heutigen Ziel verbirgt sich ein Anwesen von 1900 – einst Wohnhaus und Mühle, seit 1992 verlassen. Durch die abgelegene Lage blieb es jahrzehntelang unberührt wie eingefroren, sogar verstaubte Oldtimer warteten in der maroden Garage. Kaum dokumentiert, umgibt den Ort ein echter Mythos. Doch der Zahn der Zeit nagt unaufhaltsam: Durch schwere Dachlecks und verrottete Böden ist die Ruine heute völlig baufällig und lebensgefährlich.
Wir parken vor dem winzigen, verschlafenen Örtchen. Zu unserem Erstaunen sind die Dorfbewohner schon verdammt aktiv. Na super... Aber nach der langen Fahrt drehen wir nicht mehr um. Also Jacken zu und unauffällig rein ins Dorf, geradewegs auf unser Ziel zu. Wir passen den perfekten Moment ab – und schwups, sind wir hinter dem Bauzaun verschwunden. Die Erleichterung auf dem Areal hält allerdings nur sekundenlang.
Denn im nächsten Moment macht sich entsetztes Schweigen breit. Was für ein desolater Zustand! Der Vandalismus hat hier erbarmungslos zugeschlagen, und zu allem Überfluss schlägt uns ein fieser Gestank entgegen. Auch wenn wir nach zwei Stunden Anfahrt immerhin ein paar Bilder geknipst haben: Heute fahren wir mit einer gehörigen Portion Frust im Bauch nach Hause. Wir sind sauer, enttäuscht und fassungslos über diese extreme Zerstörungswut.