Kalmenhof

 

Der Kalmenhof blickt auf eine zutiefst erschütternde Geschichte zurück. Ab 1933 wurde die ehemals private Einrichtung von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet und in das grauenhafte Programm der „Euthanasie“ einbezogen. Schon der Weg dorthin löste bei uns ein tiefes Unbehagen aus. Das Krankenhaus liegt isoliert an einem Hang, als wollte man diesen Ort und seine Taten unbedingt aus dem Bewusstsein der Menschen tilgen.

Bereits am Zufahrtsweg signalisierte uns ein Verbotsschild unmissverständlich, dass hier selbst Besucher nicht willkommen sind – eine Abweisung, die uns stutzig machte. Oben angekommen, verstärkte sich der Eindruck eines „vergessenen“ Ortes, der systematisch ausgelöscht werden soll. Viele Fensterscheiben, besonders im Anbau, sind eingeschlagen; im Erdgeschoss wurden die Öffnungen mit Holzplatten vernagelt, um jeden Zutritt zu unterbinden.

Während wir dort standen, breitete sich ein unerklärliches Unbehagen in uns aus. Begleitet von ständigem, aggressivem Hundegebell aus der Nachbarschaft, fanden wir uns plötzlich vor einem kleinen Gebäude wieder, das sich später als die ehemalige Leichenhalle herausstellte. In diesem Moment wurde das Gefühl, hier fehl am Platz zu sein, übermächtig. Wir beschlossen, den Ort zu verlassen. Es blieb das Bild eines Schandflecks, den die Zeit – oder der Mensch – am liebsten komplett verschwinden lassen würde.