Schloss des Scheichs

 

Das im Jahr 1889 erbaute Schloss blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Nach langer privater Nutzung und einer Zeit als Hotel diente es zuletzt einem arabischen Investor als Sommerresidenz. Als wir dort ankamen, bot sich uns ein fast unwirklicher Anblick: Der strahlend blaue Himmel und das helle Sonnenlicht standen im harten Kontrast zu der zertrümmerten Eingangstür und dem völlig verwilderten Garten. Wir waren an diesem Tag nicht allein; im Inneren stießen wir auf eine andere Gruppe von Urbexern.

Trotz der massiven Schäden strahlt das Gebäude eine melancholische Eleganz aus. Die Fassade wirkt noch solide, doch es ist ein trügerisches Bild – die „schöne Fassade“ der Vergangenheit bricht buchstäblich über der Gegenwart zusammen. Im Inneren zeugen aufwendig gestaltete Deckenrosetten von einstiger Pracht. Die floralen Motive, Weintrauben und goldenen Akzente deuten auf eine extrem gehobene Ausstattung hin, die nun dem Verfall preisgegeben ist.

Besonders beklemmend wirkte auf uns das obere Stockwerk. Inmitten von Müll und Unordnung entdeckten wir im Schlafzimmer ein modernes „High-Tech“-Bett, das in diesem historischen Ambiente völlig deplatziert wirkte. Dieser Anblick hinterließ bei uns einen schalen Beigeschmack; es wirkte, als hätte man sich hier zuletzt gewinnbringenden, sexuellen Dienstleistungen gewidmet. Alles in allem ist das Schloss heute ein vermülltes Denkmal für einen einstigen Wohlstand, der in einer düsteren Realität geendet ist.