U-Verlagerung

 

Was 1891 als Kalkgrube auf 23.000 m² begann, wurde im Zweiten Weltkrieg zu einem massiven unterirdischen Rüstungsstandort. In dieser U-Verlagerung mit 10.000 m² Nutzfläche sollten Zahnräder und Getriebe für Panzer der Firma Renk produziert werden – geschützt vor Bombenangriffen in Stollen, die kilometerweit in den Berg führen.

Schon beim Betreten des Stollens überkam mich ein mulmiges Gefühl; es war, als stünde eine unsichtbare Blockadewand vor mir, die jeden Schritt erschwerte. Mein Freund war dagegen völlig in seinem Element und bestaunte enthusiastisch die gewaltige Anlage. Die Erkundung war mühsam: Die extreme Feuchtigkeit verwandelte den Lehmboden in eine zähe Masse, die wie Zement an unseren Füßen klebte.

Plötzlich durchbrach ein ohrenbetäubender Knall die Stille. Was auch immer es war – ab diesem Moment war der Fun-Faktor für mich vorbei. Dennoch entdeckten wir im fahlen Licht unserer Lampen verrostete Autowracks, alte Fässer und Überreste der Belüftungsanlage. Besonders beklemmend waren die unzähligen Einschusslöcher in einer massiven Stahltür, die uns rätseln ließen, was sich hier einst abgespielt haben mag. Während mein Freund von dem Ort fasziniert blieb, verließ ich diesen zutiefst morbiden Stollen schließlich mit einem flauen Gefühl im Magen.